Lohnt sich der Gründungszuschuss? Ein ehrlicher Blick auf die Zahlen (2026)
Den Job zu verlieren, ist beunruhigend. Für viele Menschen ist es aber auch der Moment, in dem sie endlich das Unternehmen gründen, das sie bisher immer aufgeschoben haben. Wenn du ALG 1 beziehst und über eine Selbstständigkeit nachdenkst, ist der Gründungszuschuss eine der besten Fördermöglichkeiten in Deutschland, und zugleich eine der am meisten missverstandenen.
Du behältst 100 % deiner Anteile, gehst keinerlei Schulden ein, bleibst flexibel in der Umsetzung , und die Förderung ist steuerfrei. Aber das ist nicht für jeden das Richtige, und es gibt echte Haken. Hier ist das ehrliche Bild der Lage.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Was du bekommst: deinen bisherigen monatlichen ALG-1-Betrag plus pauschal 300 € für die Sozialversicherung, für 6 Monate (mit einer möglichen Verlängerung um 9 Monate).
- Der Vorteil: Die Beihilfe ist steuerfrei, und du unbegrenzt zusätzliches Einkommen erzielen, wobei nur dieses Einkommen besteuert wird. Das Nettoeinkommen kann im folgenden Beispiel rund 3.820 € pro Monat betragen.
- Der Haken: Der Eigenanteil von 300 € ist seit Jahren nicht gestiegen. Im Jahr 2026 wird allein Ihre Mindestkrankenversicherung etwa 270 bis 280 € betragen, sodass die Kosten höher sein können als der Betrag, den Sie dafür erhalten.
- Am besten geeignet für: Freiberufler und Unternehmen mit frühzeitigem Cashflow. Weniger geeignet für kapitalintensive Ideen mit langer Laufzeit.
- Warum dies besser ist als Abkürzungen: Es ist der legale Weg, ein Unternehmen in Vollzeit aufzubauen und dabei Unterstützung zu erhalten – ganz offen und ohne etwas zu verbergen.
Ein kurzer Hinweis: Wir können keine Rechts- oder Steuerberatung anbieten. Diese Informationen basieren auf unseren Erfahrungen aus der Unterstützung von Hunderten von Gründern sowie auf öffentlich zugänglichen Quellen. Kläre deinen Situation stets mit der Agentur für Arbeit oder einem Steuerberater ab.
Was der Gründungszuschuss eigentlich ist
Es überbrückt deinen Monate als Selbstständiger, damit du dich auf den Aufbau deines Unternehmens konzentrieren du und nicht auf die Miete. Es gliedert sich in zwei Phasen:
- Phase 1: 6 Monate lang der bisherige ALG-1-Betrag zuzüglich 300 €. Diese Leistung ist obligatorisch, wenn du die Voraussetzungen erfüllst.
- Phase 2: optional weitere 9 Monate à 300 €, nach Ermessen der Agentur.
Eine ausführliche Anleitung findest du in unserem Leitfaden zum Erhalt des Gründungszuschusses. Dieser Artikel beantwortet die Frage: Lohnt es sich für du?
Die wirtschaftliche Argumentation anhand von Zahlen
Angenommen, du ALG 1 in Höhe von etwa 2.200 € pro Monat (das entspricht in etwa einem Bruttogehalt von 4.580 €) du und du 1.500 € pro Monat mit deinen Business.
| Einnahmen (über 6 Monate) | Betrag (€) |
|---|---|
| ALG-1-Beihilfe (2.200 pro Monat) | 13,200 |
| Sozialversicherungszuschlag (300/Monat) | 1,800 |
| Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit (1.500/Monat) | 9,000 |
| = Gesamteinnahmen | 24,000 |
| Ausgehende Zahlungen | Betrag (€) |
|---|---|
| Einkommensteuer (nur auf die 9.000 freiberuflichen Einkünfte) | −1,080 |
| = Jahresüberschuss für 6 Monate | 22,920 |
| = Monatlicher Nettogewinn | 3,820 |
Dein Nettoeinkommen in den ersten sechs Monaten beläuft sich auf etwa 3.820 € pro Monat. Du wirst nur auf die 1.500 € aus deiner gewerblichen Tätigkeit besteuert, nicht auf den Zuschuss. Die Zahlen dienen nur zur Veranschaulichung; deinen Steuerlast hängt von deinen ab.
Dein Nettoeinkommen in den ersten sechs Monaten beläuft sich auf etwa 3.820 € pro Monat. Du wirst nur auf die 1.500 € aus deiner gewerblichen Tätigkeit besteuert, nicht auf den Zuschuss. Die Zahlen dienen nur zur Veranschaulichung; deinen Steuerlast hängt von deinen ab.
Der Haken an der Sache: die Krankenversicherung
Der Zuschuss von 300 € ist zur Deckung deiner Sozialversicherung gedacht. Deine Krankenversicherung kann jedoch mehr kosten als die 300 €, die du dafür erhältst, sodass es sich eher um echte Kosten als um einen Bonus handelt.
Der Grund: Die 300 € sind seit Einführung der Beihilfe unverändert geblieben, während die Krankenkassenbeiträge stetig gestiegen sind. Im Jahr 2026 beträgt der gesetzliche Mindestbeitrag für Selbstständige etwa 270 bis 280 € pro Monat, je nach Einkommen oder bei Abschluss einer privaten Krankenversicherung auch mehr. Dein ALG-1-Anteil ist die eigentliche finanzielle Stütze, plane deine Krankenversicherung also realistisch ein und rechne nicht die vollen 300 € als Extra ein.
Für wen es eigentlich gedacht ist
- Besonders geeignet für: Freiberufler und Unternehmen, die in den ersten Monaten mit einem Cashflow rechnen können. Der Zuschuss summiert sich schnell zu deinem Einkommen hinzu, und die Flexibilität ist ein echter Vorteil.
- Weniger geeignet: kapitalintensive Ideen mit einem langen Weg bis zur Umsatzgenerierung. Der Zuschuss überbrückt lediglich einen Zeitraum von 6 bis 15 Monaten und kann daher keinen längeren Zeitraum absichern. Wahrscheinlich benötigst du weitere Finanzmittel, und für ein bereits finanziertes Start-up stellt der Zuschuss nur einen kleinen Teil dar.
Warum das besser ist, als „einfach bei ALG 1 zu bleiben“
Eine verlockende Abkürzung wäre es, bei ALG 1 zu bleiben, still und leise weiterzubauen und niemandem davon zu erzählen. Hier sind die Gründe, warum das riskant ist.
Um ALG 1 zu beziehen, muss man als arbeitslos gelten. Gemäß § 138 SGB III gilt man bei einer selbstständigen Tätigkeit von 15 Stunden pro Woche oder mehr nicht mehr als arbeitslos, sodass der Anspruch erlischt. Und gemäß § 155 SGB III werden Nebeneinkünfte, die über die monatliche Pauschale von 165 € hinausgehen, mit Ihrem ALG 1 verrechnet. Der Aufbau eines Unternehmens in Vollzeit während des Bezugs von ALG 1 ist keine Gesetzeslücke, sondern verstößt gegen die Vorschriften.
Mit dem Gründungszuschuss kannst du Vollzeit du und unbegrenzt Nebeneinkünfte erzielen – ganz offen und transparent. Gleiche Unterstützung, auf solider rechtlicher Grundlage.
Was du , um dich zu qualifizieren
Vier Voraussetzungen (§ 93 SGB III):
- Mindestens 150 Tage verbleibender Anspruch auf ALG 1 bei Beginn der Tätigkeit.
- EineTragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle (IHK, HWK, Steuerberater, Bank oder zertifizierter Gründungsberater) auf der Grundlage deines Businessplans.
- Persönliche Eignung für die Selbstständigkeit.
- Diese Tätigkeit ist deinen Hauptbeschäftigung, kein Nebenjob.
Bei der Wirtschaftlichkeitsbescheinigung kommen die meisten Leute ins Stocken, da hierfür ein solider Geschäftsplan mit einer Dreijahresprognose erforderlich ist. Genau dabei helfen wir dir. Den gesamten Ablauf findest du in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich mich bewerben, wenn ich mein Unternehmen bereits gegründet habe?
Es ist einfacher, wenn du ein neues Unternehmen planst, aber ja, du kannst dich auch mit einem bestehenden Unternehmen bewerben. Entscheidend ist der Zeitpunkt – solange du die Voraussetzungen noch erfüllst.
Was ist, wenn mein Sachbearbeiter sagt, ich könnte problemlos einen Job finden?
Die Bewilligung liegt im Ermessen der Behörde, daher kann es die Sache erschweren, wenn man als leicht vermittelbar gilt. Ein weiterer Grund, warum ein gut begründeter Plan und ein gut ausgearbeiteter Antrag wichtig sind.
Muss ich mich physisch in Deutschland aufhalten?
Dein Anspruch ist an das deutsche System gebunden, aber eine selbstständige Tätigkeit bietet im Alltag mehr Flexibilität als die Arbeitssuche. Kläre die Einzelheiten für deinen Fall ab; die Verfügbarkeitsregeln gelten weiterhin.
Freiberufler oder Unternehmensgründer – spielt das eine Rolle?
Ja. Das System ist gegenüber Freiberuflern und Unternehmen, die bereits frühzeitig Gewinne erzielen, großzügiger als gegenüber Unternehmensgründern, die eine hohe Vorabfinanzierung benötigen.
Das Fazit
Der Gründungszuschuss ist eine solide, legale Möglichkeit, deinen Monate als Selbstständiger zu finanzieren, insbesondere wenn du freiberuflich du oder schon früh Einnahmen erzielen kannst. Sei dir jedoch der Kosten für die Krankenversicherung bewusst und verlasse dich nicht ausschließlich darauf, wenn du ein langfristig ausgerichtetes Unternehmen aufbauen möchtest.
Wie wir helfen
Bei Fired Up haben wir bereits Hunderten von Gründern dabei geholfen, ihr Unternehmen mit dem Gründungszuschuss zu gründen – bei einer Bewilligungsquote von 98,5 %. Wir erstellen gemeinsam mit dir den Geschäftsplan und die Prognose, bereiten die Wirtschaftlichkeitsbescheinigung vor und begleiten dich bei der Antragstellung. Mit einem AVGS-Gutschein wird unser Gründer-Coaching vollständig finanziert, sofern du die Voraussetzungen erfüllst.
Du bist dir nicht sicher, ob das zu dir passt? Vereinbare einen kostenloses Intro Call, und wir besprechen das ganz offen miteinander. Auch unser Leitfaden zum Arbeitslosengeld in Deutschland ist ein nützlicher Ausgangspunkt.
Dies sind lediglich allgemeine Informationen und stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung; die tatsächlichen Beträge und die Anspruchsvoraussetzungen können variieren. Die Zahlen dienen der Veranschaulichung und entsprechen dem Stand von 2026.
Über Fired Up
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