Ist es an der Zeit, unsere Vorstellung von „Leidenschaft“ zu hinterfragen?

Nie Leidenschaft für deinen Job empfunden? Drei Gründe, warum du dich deswegen nicht schlecht fühlen solltest:

von Heidi Korpela

Ich liebe meine ungewöhnliche und abwechslungsreiche Karriere. Seit über 10 Jahren bin ich in verschiedenen Branchen und Unternehmen unterschiedlicher Größe im Personal- und Talentmanagement tätig. Ich habe Teams geleitet, mit großartigen Gründern zusammengearbeitet und mir vielfältige Kompetenzen in den Bereichen Wachstum, UX, Marketing Personalwesen angeeignet. Derzeit bin ichKarriere- und Recruiting-Coachfürvielseitige internationale Talente und habe unglaublich viel Spaß dabei! Ich habe die besten Kunden, tolle Kollegen und das Gefühl, etwas zu bewirken.

Aber ich war nie wirklich leidenschaftlich bei meiner Arbeit.

Und das offen auszusprechen, hat bei mir immer ein Gefühl von Scham ausgelös. Als ob mit mir etwas nicht in Ordnung wäre oder mir etwas Entscheidendes fehlt. Vielleicht habe ich den Kern einfach noch nicht gefunden? Vielleicht steht meine große Leidenschaft ja direkt vor der Tür, und sobald ich sie entdecke, wird sich plötzlich alles wie von selbst einfügen?

Ich werde dieses Jahr 40 und beginne zu glauben, dass ich das ganze Konzept von „Leidenschaft“ vielleicht verlernen sollte.

Das Konzept der „Leidenschaft“ wird missverstanden

Die Etymologie des Wortes „Leidenschaft“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich „leiden“. Irgendwann begannen wir, diesen Begriff im Zusammenhang mit romantischer oder sexueller Liebe oder mit großer Begeisterung zu verwenden. In jüngerer Zeit wurde uns „Leidenschaft“ dann als etwas verkauft, das unerlässlich für beruflichen Erfolg und ein sinnstiftendes Arbeitsleben sei.

Nun ja... deine Arbeit wird dich niemals zurücklieben. Sich emotional an die eigene Karriere zu binden, ist nicht unbedingt eine kluge Entscheidung, besonders wenn man die Welle an Entlassungen betrachtet, die wir in letzter Zeit miterlebt haben. Warum also halten wir trotzdem so hartnäckig an der Vorstellung fest, Leidenschaft für unsere Arbeit empfinden zu müssen?

Weil wir unsere Arbeit sinnvoll gestalten wollen. Wir wollen etwas bewirken. Wir sind leidenschaftlich bei der Vorstellung, leidenschaftlich bei unserer Arbeit zu sein.

Hier ein Gedanke: Wenn du das Gefühl hast, nicht leidenschaftlich genug zu sein, erinnere dich an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Was ist dir in deiner Arbeit so wichtig, dass du bereit bist, ein Stück weit dafür zu leiden, um wirklich etwas zu erreichen?

Für mich ist das ganz einfach: Ich möchte Menschen dabei unterstützen, Karrieren und Teams aufzubauen, in denen sie sich unterstützt, sicher und wertgeschätzt fühlen für das, was sie tun. Genau das habe ich meine gesamte berufliche Laufbahn über getan. Es war nicht immer leicht, aber definitiv erfüllend.

Leidenschaft ist nicht etwas, das du "findest"

Wir werden ständig dazu aufgefordert, unsere „Leidenschaft zu finden“ - als wäre sie uns auf unerklärliche Weise abhandengekommen. Diese Vorstellung von einer ewigen Suche nach dem magischen Aha-Moment hat mich phasenweise völlig überfordert. Sie hat in mir das Gefühl ausgelöst, nicht gut genug zu sein, weil es bei allen anderen scheinbar ganz selbstverständlich schon direkt nach dem Abi klick gemacht hat.

Leidenschaften lassen sich nicht vergleichen. Die Bedeutung, die du aus deiner Arbeit schöpfst, ist immer etwas Persönliches, auch wenn äußere Umstände darauf Einfluss haben. Anstatt dich minderwertig zu fühlen, wenn jemand scheinbar voller Leidenschaft für das ist, was er oder sie tut. Wie wäre es, diese Energie in Neugier zu verwandeln? Frag nach, wie diese Person dort hingekommen ist.

Spoiler: Die meisten dieser „leidenschaftlichen“ Menschen werden vermutlich gar nicht über das Gefühl von Leidenschaft sprechen. Sie werden von Verhaltensweisen, konkreten Handlungen und Gewohnheiten erzählen. Sie werden davon berichten, wie sie in den Flow kommen und dabei völlig das Zeitgefühl verlieren.

Wahrscheinlich bist du längst für etwas in deiner Arbeit leidenschaftlich ohne es vielleicht so zu nennen. Denk einmal an die Aufgaben und Tätigkeiten, die deinen Arbeitsalltag ausmachen. Was fällt dir leicht? Was kannst du besser als die meisten anderen? Und was tust du wirklich gern?

Leidenschaft ist nicht stabil oder streng definiert

Für mich ist das Problematischste an der Idee von „Leidenschaft“ dieser schräge Gedanke, dass wir nur eine einzige haben dürfen. Mich interessieren so viele verschiedene Bereiche und ich werde vermutlich immer von Neugier getrieben sein. Ich liebe es, Dinge zu kombinieren: von Coaching über Design Thinking bis hin zu Talent Acquisition.hinking bis hin zur Talentakquise.

Es hat über 20 Jahre Berufserfahrung gebraucht, bis ich erkannt habe, dass genau das eigentlich etwas Gutes ist. Ich würde mich zu Tode langweilen, wenn ich nur eine einzige „Leidenschaft“ haben dürfte.

In der öffentlichen Debatte wird seit Jahren versucht, Arbeitnehmende in zwei gegensätzliche Kategorien einzuteilen: Entweder man ist Spezialist:in mit einem klaren Fokus auf ein bestimmtes Fachgebiet, oder man ist Generalist:in, die oder der ein breites Verständnis und vielfältige Erfahrungen einbringt. Ganz einfach, oder? Such dir einfach eins aus!

Nein. Du musst dich für nichts entscheiden.

Wo auch immer du in diesem Spektrum du – genau dort duheute am richtigen Platz. Sicher, du entdeckst du morgen etwas, duzutiefst fasziniert undden Verlauf deinen verändert. Aber heute du einfach alles auflisten, was du , und versuchen, mehr davon in deinen Berufs-)Leben zu integrieren.

Das nächste Mal, wenn du dich schlecht fühlst, weil du deine „Leidenschaft“ (wieder einmal) nicht gefunden hast, halte kurz inne und atme durch. Überlege dir ein Wort, das du nutzen kannst, um die negative Gedankenspirale zu stoppen. Du darfst gern meins übernehmen: „Supermarkt“.

(Verstehst du? Leidenschaft ist eine Frucht - Passionsfrucht! Die kaufst du im Laden! Ich brenne eben für schlechte Wortwitze!)

Über Heidi

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Weg zu einer erfüllenden Karriere damit beginnt, die eigene, ganz individuelle Kombination aus Fähigkeiten, Erfahrungen, Werten und Zukunftswünschen wirklich zu verstehen.

Mein Coaching ist sehr systematisch und praxisorientiert: Gemeinsam entwickeln wir eine maßgeschneiderte Karriere-Roadmap. Dabei beziehen wir auch die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt mit ein. Ich bin spezialisiert auf den internationalen Tech-Sektor in Berlin und begleite Klient:innen in unterschiedlichsten Rollen und Erfahrungsstufen. Transparenz, Gleichberechtigung und Freundlichkeit sind Werte, die meine Arbeit prägen.

Als ehemalige Personalvermittlerin bin ich in der Lage, dich bei allen Schritten eines modernen Einstellungsverfahrens vorzubereiten.

Und als Coach helfe ich dir dabei, Vertrauen und Selbstsicherheit in deine eigene, wunderbar facettenreiche Expertise zu entwickeln.

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